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veröffentlicht am 11.09.2017

Wie ich Fips kennenlernte...

Heute erzähle ich euch die versprochene Geschichte (siehe Reportage Dana & Jan), wie ich im letzten Jahr in einer ungewöhnlichen Situation die liebe Joana und ihre Hündin Fips kennengerlernt habe. Diese Stunden - um die Mittagszeit muss es gewesen sein - werden wir beide nie vergessen.

Hund auf der Frerener Straße!

Weiterfahren oder Umkehren? Ersteres war keine Option für mich! Die kleine Maus war völlig verstört. Das war kein Hund der seine tägliche Runde macht. Sie wechselte wild die Straßenseite... bei Tempo 100! Lebensgefährlich. Nicht nur für den Hund.

Von weitem konnte ich den mittelgroßen Hund schon sehen und war schon verwundert, was der so allein an der Straße macht. Als ich dran vorbei war und sah, dass er auf der Straße stand fuhr ich bei nächste Gelegenheit zurück. Andere Autofahrer fuhren bereits hinter dem Hund her, verloren ihn aber aus den Augen und kehrten um.

Das Wichtigste: den Hund nicht aus den Augen verlieren!

Ich habe (leider) schon an mehren Suchaktionen teilgenommen, hab also Erfahrungen und weiß, dass es das Wichtigste ist, den Hund nicht aus den Augen zu verlieren. Glücklicherweise machte er sich auf den Weg Richtung Ramsel, wenn auch immer noch gefährlich nah an der Straße. Ich informierte die Polizei darüber und erfuhr, da war ich nicht die erste. Ein Streifenwagen würde kommen, sobald möglich. (Anmerkung: von der Polizei habe ich niemand gesehen!) Das Tierheim zu infomieren wäre meine nächste Idee gewesen, aber dazu blieb mir gar keine Zeit.

Langsam und mit Warnblinker verfolgte ich sie ins Dorf hinein. Bei Freunden stellte ich mein Auto kurz ab. Sie hatte mich wohl bemerkt und war auch neugierig, aber hatte mega Angst. Da ich weder eine Hundeleine noch Futter dabei hatte holte ich mir Hilfe bei einem Elektrogeschäft im Ort. Dort versorgte man mich sowohl mit einer Leine als auch mit ausreichend Futter zum Locken. Fips war schon weiter auf Wanderschaft Richtung Baccum. Ich wieder zurück ins Auto... es galt weiterhin: den Hund nicht aus den Augen verlieren!

In der Hoffnung, dass sie Hunger hat warf ich immer mal wieder Leckerlies aus dem Auto. Ja.... sie hatte Hunger. Sehr gut. So verging ca. eine halbe Stunde.

Mit Warnblicker, Fenster runter und Schrittempo lockte ich sie so wieder zurück zu dem Hof meiner Freunde. Dort stellte ich mein Auto ab und setzte mich auf den Boden.

Das ich diese Erfahrung mal brauchen würde...

Bei einer Suchaktion vor einigen Jahren, da war ich noch im Tierschutzverein Lingen im Vorstand, war eine Hündin entlaufen, die frisch aus dem Ausland kam. Völlig verängstigt und ziellos suchten wir tagelang nach ihr. Immer wieder Sichtungen, sogar in der Innenstadt. Immer auf Rufbereitschaft um gemeldete Sichtungen zu überprüfen. Wir holten uns dann Hilfe... Sie wurde an dem Tag des Einfanges mehrfach am Campingplatz in Gleesen gesehen. Also hieß es wieder losfahren und Ausschau halten. Das war der erste Tag, wo ich den Hund auch mal selbst gesehen habe. Sie war dünn, aber soweit fit. Ein erfahrerener "Hundefänger" hat mit seinem Hundes die kleine Kira an eine Stelle "geführt" wo wir sie gut im Blick hatten und "Fluchtwege" sichern konnten ohne sie zu sehr zu bedrängen. Er setzte sich auf den Boden und lockte sie immer näher mit Futter. Entfernte sie sich etwas stellte sich sein Hund ihr in den Weg, sodass sie wieder näher zu ihm laufen musste. Ich stand ca. 20 Meter entfernt und war soooo aufgeregt. Ich hatte Angst, dass sie durch irgendwas wieder aufgeschreckt wird und wegläuft. Mit einer wahnsinnigen Geduld konnte sie dann endlich gesichert werden. Als man sie anleinte sah man in Kira's Augen direkt die Erleichterung, dass ihre "Flucht" nun ein Ende hat. Im Auto legte sie sich direkt hin. Das hat mich so beeindruckt. Ich ahnte damals ja nicht, dass mir diese Erfahrung mal beim Sichern eines anderen Hundes helfen würde.

Zurück zu Fips

Immer wieder warf ich also Leckerlies in ihre Richtung. Es war ein hin- und her. Mal kam sie näher, dann rannte sie wieder 20 mtr. weg. Ich lieb sitzen. Dabei ruhig zu bleiben, keine Panik zu bekommen oder vorschnell nach ihr zu greifen ist gar nicht so einfach. Aber sie fasste nach und nach Vertrauen zu mir. War nur eine Frage der Zeit, bis sie nah genug war. Die Leine mit dem Karabiner in meiner Hand war bereit, es musste nur der richtige Moment kommen. Es waren mittlerweile 1,5 Stunden vergangen seit meiner ersten Sichtung. Sie wurde müde.

Der richtige Moment

Als sie dann wieder näher kam streckte ich meine Hand voll Leckerlies aus und lies sie erstmal fressen. Ich atmete tief durch, führte meine Hand mit dem gespannten Karabiner langsam unter ihren Hals. Die Öse ihres Halsbandes hing passend und ich nutzte die Chance und sicherte sie mit der Leine. Die behielt ich fest in der Hand, übte aber keinen Druck auf das Halsband aus. Das saß nicht gerade stramm. Langsam stand ich auf und sie folgte mir wie selbstverständlich zu meinem Auto. Ihre Erleichterung sah ich ihr an, als sie im Kofferraum saß. Sie legte sich direkt hin.

Adrenalin

Man man... ich war voller Adrenalin. So... was nun mit dem Hund? Fundhunde gehören ins Tierheim Lingen. Dort rief ich auch an und man sagte mir, ich könne direkt kommen. Vermisst gemeldet wurde bislang kein Hund auf den die Beschreibung passte.

Im Tierheim setzten wir uns erstmal ins Büro und nahmen alle Daten auf. Dann klingelte das Tierheim-Telefon und eine völlig aufgelöste Frau war dran. Sie sucht nach ihrem Hund. Es könnte die kleine Maus sein, die mich die letzten 2,5 Stunden beschäftigt hatte.

Keine 10 Minuten vergingen als ein Auto mit drei Frauen auf den Hof fuhr und Fips`Frauchen völlig aufgelöst auf mich zukam. Es war ihr Hund und sie war soo erleichtert. Fips hatte zwischenzeitlich auch noch das Katzenfutter gefressen... ihr ging es gut. Tausendmal bedankte sich Joana bei mir. Mir war das schon fast unangenehm. :D War doch selbstverständlich. Mir hätte das keine Ruhe gelassen zu wissen, da läuft ein verängstigter Hund durch die Gegend. Das könnte auch mein Hund sein und dann würde ich mir auch wünschen, dass jemand alles stehen und liegen lässt um mir meinen Hund wiederzubringen. Die Angst vor dem Verlust ihres Hundes sah man Joana so an.

Wir trafen uns ein paar Tage später für einen gemeinsamen Spaziergang mit meiner Lola, Fips und Joana's anderer Hündin Weema. War schön Fips völlig entspannt zu sehen. Keine Spur mehr von dem verängstigten Hund, der mir einige graue Haare gekostet hat. :D Da erzählte sie mir auch nochmal wie es überhaupt dazu kam, dass Fips weglief. Sie ist ein gut erzogener Hütehund. Sie ist nicht durch Ungehorsam auf Wanderschaft gegangen. Sie wurde von zwei frei laufenden Hunden verjagt. Trotz Mahnung durch Joana hat das Frauchen der beiden Hunde diese nicht angeleint. Diese Dame war auch absolut nicht belehrbar und auch schon bekannt wegen ihres unmöglichen Verhaltens. Ein Glück, dass die Geschichte ein Happy End hat!

Unsere Begegnung auf der Hochzeit von Dana und Jan rief das alles wieder in Erinnerung und wir trafen uns diese Woche zum gemeinsamen Fotoshooting. Sind die Ergebnisse nicht toll?

Liebe Joana, ich wünsche dir mit deinen tollen Hunden ganz viele weitere tolle Jahre! Hoffe wir sehen uns bald mal wieder. :)